Kiko, dein Reiseführer

Kommst du mit auf einen Familienausflug zur gröβten Schlucht von Menorca?

Der barranco de Algendar ist eine der schönsten Landschaften Menorcas. Er gehört zum Stadtbezirk von Ferreries und verläuft bis zur Cala Galdana. Hier haben sich sehr viele Geschichten ereignet. Einige von ihnen sind als Legenden erhalten geblieben, die alle kennen. Heute werden wir einen Familienausflug auf einem Abschnitt der Schlucht unternehmen: auf dem Königsweg („Camino Real“).

Ein alter Römerweg?

Wir parken das Auto am Friedhof von Ferreries, setzen unsere Rucksäcke auf und beginnen unser Abenteuer auf diesem Weg. Früher hieβ er der Alte Weg („Camino Viejo”) und kreuzte die gesamte Insel von Mahón bis Ciutadella.

Es heiβt, dass er im Mittelalter auf den Überresten einer Straβe, die bereits von den Römern angelegt worden war, gebaut wurde.

Es nähert sich ein Turmfalke

Der erste Teil des Weges ist breit und von Bäumen umgeben, die einen angenehmen Schatten spenden. Auch wenn es noch recht früh ist, scheint die Sonne doch schon recht kräftig.

nullDie kleineren der Kinder laufen und springen herum.

  • „Wartet, hier geht es nach rechts! Habt ihr nicht das Schild gesehen?” rufe ich ihnen nach.

  • „Wir haben nicht darauf geachtet. Schau nach oben, dort am Himmel,” entgegnen sie mir voller Staunen.

  • „Das ist ein Turmfalke,” erkläre ich ihnen. „Er ist wie ein kleiner Falke. Bestimmt hat er eine Eidechse erspäht, die er greifen will. Deswegen fliegt er so tief. Auf Menorca heiβen sie ,Xoric’.”

  • „Er sieht toll aus!” entgegnen mir die Kinder mit einem Lachen auf den Gesichtern.

Ein Blitz im Unwetter

Plötzlich treffen wir auf ein Kreuz mitten auf dem Weg: das Kreuz des Son Gornés. Die Stadt Ferreries hat auf dem Weg verschiedene Tafeln aufgestellt, die die bekanntesten Legenden und Stätten der Gegend erklären und auf denen Aktivitäten vorgeschlagen werden, die man auf dem Weg machen kann.

null​Wir lesen, dass vor über 150 Jahren ein Jüngling von einem starken Unwetter mitten auf dem Weg überrascht wurde. Er suchte Schutz, doch bevor er einen Unterschlupf finden konnte, wurde er von einem Blitz getroffen. Das Kreuz erinnert an dieses Ereignis.

Hast du das weiβe Rebhuhn gesehen?

Einige Abschnitte auf dem Weg sind, trotz der Sonne, dunkel, denn die Bäume stehen um uns herum, mit ihren Blättern über unseren Köpfen. Es ist, als befänden wir uns in einem grünen Tunnel.

Wir kommen an eine andere Tafel, die uns die Legende vom Brunnen des weiβen Rebhuhns erzählt. Es heiβt, dass ein Jäger aus Ferreries, der seine Braut in Algendar besuchte, ein weiβes Rebhuhn sah, das er abschieβen wollte. Aber das Gewehr funktionierte nicht richtig, so dass der Vogel wegfliegen konnte. Der Jäger versuchte es mehrere Male, doch er traf nie.

  • „Wie fies! Zum Glück konnte er nicht gut schieβen, denn bestimmt war das Rebhuhn unheimlich schön,” bemerkt eins der Mädchen.

  • „Eines Tages jedoch, schaffte er es, das Rebhuhn zu treffen, denn ein Freund hatte ihm verraten, dass er sein Gewehr mit einem Silberreal laden musste. Und so brach er dem Rebhuhn den rechten Flügel,” erzähle ich ihr weiter.

  • „Und was passierte dann?” fragt ein Junge ganz gespannt.

  • „Als er im Haus seiner Braut ankam, erzählten sie ihm, dass seine Braut hingefallen war und sich den rechten Arm gebrochen hatte. Ein Zufall?“

Wir sehen das Häuschen vom Brunnen des weiβen Rebhuhns, doch man kann es nicht betreten; also gehen wir unseren Weg weiter.

Eine Höhle als Unterschlupf

Die Schlucht hat nun eine andere Farbe. Es sind viele weiβe Felsen zu sehen, und wir nähern uns der Königshöhle („Cueva Real“). Die Hirten und Bauern der Gegend nutzen sie gegenwärtig als Unterschlupf. Es handelt sich jedoch um eine prähistorische Höhle, in der die frühen Siedler Menorcas ihre Toten begraben haben.

null​Wir beschlieβen, uns einen Augenblick auszuruhen. Wir haben Obst und Wasser mitgenommen. Ich esse zwei knackige Äpfel, und schon bald machen wir uns wieder auf den Weg, denn die Kinder sind bereits losgelaufen.

Der Hang des Glücks

  • „Lauft nicht so schnell! Wir kommen jetzt zur Cuesta de na Salema,” rufe ich ihnen nach.

  • „Ist die sehr lang?” fragt mich eins der Mädchen.

  • „Nein, nur etwa 200 Meter. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet Glück oder Frieden,“ erkläre ich ihnen.

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Wir sind angekommen! Es hat viel Spaβ gemacht! Hier beginnt der andere Abschnitt der Schlucht, wo es Felswände von über 80 Metern Höhe gibt. Bereiten wir einen weiteren Ausflug hierher vor?

Zurück nach Hause

Der Rükweg geht ganz schnell. Ich erkläre, dass der Weg bis vor etwa 50 Jahren noch genutzt wurde, und dass wir nun hier langgehen können, weil eine Gruppe von Freiwilligen aus Ferreries vor etwa 20 Jahren beschlossen hat, den Weg wieder zugänglich zu machen. Er war voller Pflanzen und Bäume, durch die kein Durchkommen war. Doch gemeinsam haben sie ihn gesäubert, und nun ist der Weg eine schöne Route, auf der man wandern, radfahren oder zu Pferde reiten kann.

Dank der freiwilligen Helfer konnten wir diesen Teil der Schlucht Barranco de Algendar kennenlernen und eine schöne Wanderung genieβen. Es handelt sich dabei um die gröβte Schlucht Menorcas. Kanntest du sie schon? Was hat dir am meisten gefallen? 


​GRUNDDATEN

  • Von Son Bou nach Ferreries sind es 22 km. Auf der Hauptlandstraβe Richtung Ciutadella kommt man an den Kreisel von Ferreries. Dort geht der Weg zum Friedhof ab.

  • Wir empfehlen, ein Auto zu mieten. Es fährt ein öffentlicher Bus nach Ferreries, doch dann muss man zu Fuss zum Friedhof laufen, wo die Route beginnt.

  • Der Camino Real ist sehr gut ausgeschildert. Es ist ein leicht zu laufender Weg von 3,5 km (eine Richtung).

  • Die Stadt Ferreries hat eine interaktive Route ausgearbeitet, die man entweder auf einem Propekt mitnehmen oder im Internet abrufen kann.

  • Es ist wichtig, geeignete Schuhe, Essen und Trinken mitzunehmen.

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